Vom Quelle-Katalog zu Amazon: Ist das analoge Produkte-Stöbern tot?

Mit der Familie am Wochenende auf dem Sofa sitzen, Prospekte durchstöbern, per Postkarte bestellen. So war es einmal. Das Sofa ist geblieben, die Prospekte sind den Tablets gewichen, und bestellt wird per Knopfdruck online. Alltag heute. So weit, so gut.

Produkte suchen Katalog vs. Online

Produkte suchen: Katalog vs. Online
© istock/mediaphotos

Print ist nicht tot – stinkt nur ein bisschen

Als die ersten CD-ROMs (weiß noch jemand, was das war?) und DVDs Mitte der 1990er Jahre auf den Markt kamen, behauptete jeder Medienkenner mit Inbrunst, es würde in spätestens 10 bis 15 Jahren keine Bücher mehr geben. Inzwischen sind wir gut 20 Jahre später, und Bücher gibt es immer noch – während die DVD mehr oder weniger von anderen Formaten abgelöst worden ist und die CD-ROM schon lange nicht mehr existiert. Der Buchmarkt in Deutschland zeigt sich übrigens seit Jahren stabil, die digitale Variante E-Book findet zwar Abnehmer, allerdings liegt der Marktanteil bei weit unter 10 Prozent.

Zehn Jahre später kommen Smartphones und später Tablets auf den Markt, jedermann kann jede x-beliebige Zeitung im Netz jetzt auch mobil – und zumeist kostenlos – lesen, und wieder erklären die Experten, dass es in Kürze keine gedruckten Zeitungen (und Zeitschriften) mehr geben würde. Weit gefehlt. Druckprodukte wie Zeitungen und Magazine haben zwar (teils) deutliche Auflagen-Rückgänge zu verzeichnen und Verlage müssen im Zuge der Digitalisierung von Format bis Vertrieb neue Wege beschreiten, dennoch gibt es sie weiterhin: die Zeitungen, Zeitschriften und Magazine, die meist im Rollendruck produziert werden (mehr dazu unten in der Infobox).

Druckmaschinen ermöglichen anspruchsvolle Veredelung

Druckereien gibt es wie Sand am Meer. Neben Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftendruck ist der Bedarf an Printprodukten gerade in der Werbung nach wie vor ungebrochen – und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben:

Stichwort Außenwerbung: Ein Stadtbild ist ohne (gedruckte) Plakate kaum denkbar, ein Wahlkampf noch weniger.
Dass an jedem zweiten Briefkasten der Aufkleber „Keine Werbung“ prangt, kommt auch nicht von ungefähr: Broschüren, Beilagen, Kataloge, Prospekte, Postwurfsendungen – wer verzweifelt nicht manchmal an der Papierflut?

Druckereien sind in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen, sich in bestimmten Segmenten zu spezialisieren. Neben der „herkömmlichen“ Druckerei gibt es Anbieter im Discount-Bereich, reine Copy-Shops und auch Druckereien, die sich auf Werbemittel, Textildruck, Digitaldruck etc. spezialisiert haben. Andere bieten Lösungen im Premium-Bereich, zum Beispiel den sogenannten Hybriddruck, einer Kombination aus Offset- und Digitaldruck, die höchste Qualität verspricht. Auch Veredelung von Druckerzeugnissen spielt in diesem Segment eine Rolle: Premiumdruckereien wie diese veredeln beispielsweise mit Folie, Prägung oder Lack, so dass das Papier eine spezielle Haptik erhält. Eine andere beliebte Art der Veredelung ist das Auftragen von Duftlack.

Rollendruck – was ist das?

Rollendruck, genauer Rollenoffsetdruck (auch Rollenoffset genannt), ist neben dem Bogendruck eine Variante des Offsetdrucks. Offsetdruck ist ein „indirektes Flachdruckverfahren“, das heißt, dass das Material, meist Papier, indirekt über einen Zylinder aus Gummi bedruckt wird. Der Rollendruck ist das am weitesten verbreitete Verfahren, wenn es darum geht, hohe Auflagen zu drucken. Wie der Name schon sagt, kommt das Papier beim Rollendruck von einer Papierrolle. Damit kann kostengünstig und schnell gedruckt werden, zudem ist das Papier von beiden Seiten bedruckbar (beim Bogendruck dagegen wird die Druckmaschine mit einzelnen Bögen gespeist, die gewendet werden müssen, wenn sie von der anderen Seite bedruckt werden sollen).

Der Rollenoffsetdruck eignet sich auch insbesondere dann, wenn die Druckprodukte stark individualisiert werden sollen: Wenn ein Supermarkt beispielsweise Teilauflagen seiner Prospekte in verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Produkten und Preisen deklarieren möchte, können die Etiketten durch Wechsel der Druckplatten im Betrieb verändert werden. Zudem ist beim Rollendruck wie bei einer Waschstraße meist direkt der Übergang in den nächsten Arbeitsschritt gegeben, z.B. in die Falzung, Heftung oder Bindung. Allerdings: Rollendruck ist erst ab einer Auflage ab ca. 50.000 Exemplaren wirtschaftlich; bei kleineren Auflagen sollte daher der Bogendruck eingesetzt werden. Für Kleinstauflagen mit ein paar Hundert Exemplaren ist der Digitaldruck die günstigste und schnellste Art.)

 

Prospekte werden auch weiterhin am Wochenende auf dem Sofa durchstöbert werden. Trotz Tablets. Bedrucktes Papier wird uns noch eine Weile begleiten. Denn ein gutes Buch zur Hand zu nehmen, in einer bunten Illustrierten zu blättern, im Katalog die gewünschten Artikel anzustreichen, aus einem Prospekt eine interessante Seite herauszureißen – das alles ist das Versprechen der Druckprodukte, und von digitalen Medien bislang nicht zu leisten.

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