Diesel-Verbot 2018 – Dieselgate und kein Ende

Der Abgasskandal beschäftigt die deutsche Autoindustrie nun schon seit zwei Jahren, und ein mögliches Diesel-Verbot für 2018 ist in aller Munde. War zunächst nur VW mit manipulierten Emissionsmessungen der alleinige Buhmann, wurden scheibchenweise immer mehr Details zu Verstrickungen anderer deutscher (und teilweise auch ausländischer) Autofirmen bekannt. Inzwischen ist klar, dass es sich hier nicht um einen Skandal des Wolfsburger Autoherstellers handelt, sondern eine ganze Branche in Machenschaften verstrickt war und bis heute ist. Die Lage ist verworren: Die Automobilindustrie versucht den Schaden für sich möglichst gering zu halten, die Politik scheint ohnmächtig, und die Verbraucher wissen nicht, was auf sie zukommt und ob sie im kommenden Jahr noch mit ihren Fahrzeugen in den deutschen Großstädten fahren dürfen.

Die jüngsten Entwicklungen (Stand August 2017):

  • Auch bei der Harnstofflösung AdBlue, die bei neueren Fahrzeugen dem Diesel zugesetzt wird, um Stickstoffdioxid wieder in seine einzeln ungefährlichen Bestandsteile zu zerlegen, soll es Manipulationen und Absprachen der Autobauer gegeben haben. Hier habe es laut Spiegel zu kleine Tanks, falsche Dosierungen und damit unzureichende Abgasreinigungen gegeben.
  • Nachdem die Autokonzerne angekündigt haben, alle Euro 5- und Euro 6-Dieselmodelle kostenlos mit schadstoffsenkender Software nachrüsten zu wollen, liegen jetzt laut Bundesumweltministerium erste Untersuchungsergebnisse dazu vor, mit dem Ergebnis, dass die Software-Nachrüstung nicht annähernd den erhofften Nutzen bringen wird: Lediglich 6 Prozent Emissionseinsparungen solle die Nachrüstung bewirken.
Diesel-Verbot 2018: Fahrzeug mit Aufschrift Diesel Schwindel

Kommen 2018 die Fahrverbote für den Diesel? © istock/MattZ90

Konsequenzen des Diesel-Verbots: Sind Fahrverbote unausweichlich?

Die EU hat bereits in 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren wegen zu häufiger Grenzwertüberschreitungen beim Ausstoß von Stickoxiden eingeleitet. Und auch die Deutsche Umwelthilfe hat inzwischen Klagen gegen zahlreiche deutsche Großstädte eingereicht. „Die für die Luftreinhaltung zuständigen Landesregierungen müssen 2018 die Einhaltung der Luftqualitätswerte sicherstellen. Und dies geht – so die Gerichte – nur durch Diesel-Fahrverbote in unseren belasteten Städten“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.

Überlegungen gehen dahin, neben den bisherigen Umweltplaketten (rot, gelb, grün) eine neue, blaue Plakette einzuführen. Diese Plakette würden nur Dieselfahrzeuge der Klasse Euro 6 sowie Benziner mit Euro 3 und natürlich Elektrofahrzeuge erhalten. Die zu erwartenden Fahrverbote in den großen deutschen Städten würden gegenwärtig wohl an die 13 Millionen Dieselfahrzeuge aus dem Verkehr deutscher Innenstädte ausschließen.

Die Lösungen, die von der Politik in Zusammenarbeit mit den Autobauern angepeilt werden, sind bislang noch nicht einmal halbherzig und können weder die Folgen für die Belastung der (Innen-) Städte noch für die finanziell geschädigten Autofahrer in Gänze abmildern. Stellt sich die Frage: Was kommt im Dieselgate? Fahrverbote, regional oder sogar umfassend? Und hat der Dieselmotor überhaupt eine Zukunft, oder wird der Skandal dazu führen, dass die Ära Diesel ein jähes Ende findet?

Viele Tote durch den Diesel?

Es ist ja nicht so, dass Dieselmotoren im Vergleich zu Benzinern durchweg schlecht sind: Beim Ausstoß von Kohlendioxid sind Dieselfahrzeuge ja die umeltfreundlichere Variante. Im schwelenden Abgasskandal bei den mit Manipulationssoftware gedrosselten Werten geht es allerdings um Stickoxide. Und diese werden bei Dieselfahrzeugen wesentlich mehr ausgestoßen als bei Benzinern. Stickstoffmonoxid (NO) soll eher unbedenklich sein, aber Stickstoffdioxid (NO2) kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen. Daher ist es ja auch von großer Wichtigkeit, dass die Abgaswerte eingehalten werden.

Forschungen haben ergeben, dass es durch die Umgehung der Vorschriften weltweit zu Mehrbelastungen von Stickstoffemissionen in Höhe von 4,6 Mio. Tonnen gekommen sein soll. Im Jahre 2015, so die Hochrechnungen der Forscher, habe es mehr als 100.000 Todesfälle weltweit gegeben, die direkt mit Stickoxiden aus Dieselabgasen zusammenhingen. Davon entfielen 11.400 Tote auf die EU. Übrigens: Diesel-PKW haben laut Umweltbundesamt mit 67 Prozent den größten Anteil am Stickstoffdioxid-Ausstoß, dahinter folgen mit weitem Abstand Nutzfahrzeuge (22 %), Busse (5 %) und übrige PKW (4 %). Es ist also keineswegs so, dass LKW und Busse die größeren Umweltverschmutzer sind als (Privat-) PKW.

NO2 – wie gefährlich ist der Bursche?

Stickstoffdioxid fördert die Entstehung von Feinstaub und Ozon und ist damit direkt schädlich für die Atmungsorgane. Menschen, die unter Asthma, chronischer Bronchitis oder COPD leiden, bekommen die Folgen erhöhter NO2-Werte unmittelbar zu spüren. Weitere direkte oder indirekte Folgeerkrankungen sind zum Beispiel Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Lungenkrebs.

Der Grenzwert für Stickstoffdioxid beträgt zweihundert Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser darf maximal 18 mal im Jahr überschritten werden. Im Jahresmittel liegt der Grenzwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter – dieser Wert wurde laut Umweltbundesamt bei 57 Prozent der Messstationen in Deutschland in 2016 überschritten! Indes: Die Debatte um Grenzwerte sehen viele Forscher und Mediziner als unsinnig an, denn NO2 sei in jeder Konzentration schädlich und nicht bis zu einem (willkürlichen) Grenzwert unbedenklich.

Lösung: Nachrüstung oder Wechsel?

Was muss oder kann getan werden – ist ein Diesel-Verbot etwa die einzig logische Konsequenz der aktuellen Geschehnisse? Fest steht, dass für viele Dieselfahrzeuge in 2018 ein Fahrverbot droht, wenn nichts passiert. Momentan sind nur drei Lösungsansätze im Gespräch:

  • Software-Nachrüstung: Beim Autogipfel Anfang August 2017 haben sich die deutschen Automobilhersteller bereit erklärt, die Dieselfahrzeuge der Abgasstufe Euro 5 (das sollen bis zu 6 Millionen Fahrzeuge sein) mit einem Software-Update nachzurüsten. Dass die Software allein die Auflagen bewältigen kann, wird von vielen Experten (siehe oben) allerdings bezweifelt. Diese „Lösung“ wird also kaum ausreichen, um Fahrverbote abzuwenden.
  • Hardware-Nachrüstung: Der SCR-Katalysator für den Diesel ist ja lange entwickelt und wird ja auch beispielsweise in Busflotten eingesetzt. Er ist für 1.500 bis 2.000 Euro pro Fahrzeug (inklusive Einbau) erhältlich. Doch die Autoindustrie ist außer den zugesagten Umrüstungen für die Software bislang zu keinerlei weiteren Zugeständnissen für Hardware-Lösungen bereit. Effektiv wäre diese Maßnahme allemal, denn die Katalysatoren senken den NO2-Ausstoß weit unter den Euro 6-Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer.
  • Wechselprämie: Um kurzfristig etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen, haben die Autofirmen den Haltern von Dieselfahrzeugen Wechselprämien angeboten. Diese sind aber für wenige Autofahrer lukrativ, denn aktuell gehen sie oft mit einem hohen Wertverlust für den PKW einher. Zudem ist bei vielen Verbrauchern die Verunsicherung natürlich groß, sich in dieser ungewissen Situation ein neues Dieselfahrzeug anzuschaffen.

 

Diesel-Verbot 2018: Blume ragt aus einem Auspuff

Gibt es doch noch eine saubere Lösung in Sachen Diesel? © istock/fotojog

 

Mitschuld des Verbrauchers?

Manch ein Kritiker merkt im Dieselgate an: Haben es nicht alle gewusst? War nicht immer schon bekannt, dass Dieselmotoren eben nicht umweltfreundlich sind, und wurde dies nicht über die Jahre mehr und mehr aus der öffentlichen und veröffentlichten Meinung verdrängt? Das subventionierte Geschäft mit dem Diesel hat viele Verbraucher taub gemacht auf dem Ohr der Nachhaltigkeit, es ging ihen nur um ein möglichst günstiges Gefährt mit geringem Verbrauch und subventtioniertem Kraftstoff. Die Folgen für die Umwelt interessierte sie nicht. Ob diese Thesen nur Häme sind oder argumentativ vernünftig belegbar, mag jeder Dieselfahrer selbst für sich entscheiden.

Diesel-Verbot 2018 – Zukunft des Diesel

Es gibt eine Drohkulisse aus Brüssel, die sogar bis zu einem kompletten Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in 2018 reicht. Ob dies realistisch ist, darf bezweifelt werden. Denn wenn jemand die politischen Geschicke in Deutschland (mit-) bestimmt, dann ist es die Automobilindustrie. Und wer in Deutschland bestimmt, wird zwangsläufig auch in Europa etwas zu melden haben. Noch wird überall auf Dieselfahrzeuge gesetzt, ob bei Feuerwehr, Polizei, Post, öffentlichen Verkehrsmitteln, in fast allen Fuhrparks von Unternehmen jeglicher Größe – und eben auch im privaten Sektor. Es wird Fahrverbote geben, davon ist auszugehen, aber eher punktuell und mit Auflagen, die mittelfristig umzusetzen sind.

Die Autobauer haben sehr lange weiter in die herkömmlichen Technologien gesetzt und die Entwicklung des Elektroautos stiefmütterlich nebenher laufen lassen. Diese Versäumnisse fallen ihnen mit dem Abgasskandal nun auf die Füße. Um den Diesel zu retten, argumentieren sie jetzt: Ein Wegbrechen des Dieselmarktes würde auch die finanziellen Mittel wegbrechen lassen, die für Investitionen in emissionsfreie Fahrzeuge benötigt werden. Der Verkauf von Dieselfahrzeugen finanziert also die Entwicklung des E-Autos oder anderer umweltfreundlicher Fahrzeuge? Was wie ein Treppenwitz der Geschichte klingt, wird wahrscheinlich Realität werden. Dieselfahrzeuge UND Benziner werden definitiv in den nächsten Jahrzehnten von der Bildfläche verschwinden. In Frankreich und England wird es ab 2040 für diese Fahrzeuge keine Zulassung mehr geben. Und selbst die deutsche Bundeskanzlerin hat unlängst angekündigt. dass ein Verbot von Verbrennern hermüsse – bis 2050.  Also: Wie schnell Fahrverbot kommt und Diesel geht, steht noch in den Sternen.

 

Mehr zum Thema Auto und KFZ:

Posted in Technologie, Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.