Alles auf eine Karte: ein Unternehmer mit Vision
Gerhard R. Daiger gab alles, um ein kurz vor dem Aus stehendes Unternehmen zu erwerben. Heute exportiert seine Dr. Walser Dental GmbH in über 80 Länder
Wer ein Unternehmen übernehmen will, hat gewöhnlich reichlich Kapital in der Hinterhand. Anders Gerhard Daiger, der nach erfolgreicher Managertätigkeit im Ausland eine Zukunft in der Selbständigkeit sieht. Er durchforstet über 30.000 Firmen, die einen Übernehmer oder Teilhaber suchen und fährt dafür mit seinem Auto über 10.000 km. 1998 wird er bei der Dr. Walser Dental GmbH fündig – die allerdings gerade vor dem Ende steht. Gegen alle Ratschläge gelingt es dem damals 40-Jährigen, die Firma zu kaufen. Dafür löst er seine Rentenversicherungsansprüche auf und nimmt eine Hypothek auf sein Elternhaus auf. Doch nach der Übernahme fangen die Probleme erst an. Mit Kopf, Hand und Herzblut kämpft er um sein Unternehmen und bringt es binnen zehn Jahren auf Erfolgskurs.
Geschäftsführer Dr. Walser Dental GmbH, Senator h.c. Gerhard R. Daiger Foto: Dr. Walser DentalVor ihrem Verkauf war die 1948 gegründete Dr. Walser Dental GmbH ein patentes Traditionsunternehmen. Zahnärzte schätzen vor allem die „Walser Matrize“, eine Edelstahlklammer, die beim Legen von Füllungen enorme Vorteile hat. „Ich hatte keine Ahnung von den Instrumenten und die Firma war vor der Auflösung – aber ich wusste instinktiv, dass Potential da war“, schildert Daiger seine Beweggründe für den Firmenkauf. Er handelt schnell, löst kurzfristig seine gesetzliche Rentenversicherung im Ausland auf, belegt das Elternhaus mit einer Hypothek, besorgt Bürgschaften und schließt sehr hohe Kreditverträge ab. „Alles auf eine Karte – es war schon ein gigantisches Risiko.“
Mit der Übernahme ist es längst nicht getan: „Es gab keine genauen Aufzeichnungen über Produkte und Herstellungsmethoden, vor allem lebten die Entwickler nicht mehr. Ich musste durch Versuche selbst herausfinden, wie alles funktioniert, sogar vieles neu erfinden“. Damit bringt er viele Veränderungen in die Produktion ein. Wenige Monate später der nächste Rückschlag: die Insolvenzen des wichtigsten Zulieferers und des größten Kunden – der Umsatz bricht um 80 Prozent ein. Daiger stürzt sich in neue Methoden zur Kundenakquise. Mit einer der ersten fünfsprachigen Homepages, einer Musterkollektion, einem Film und Werbeplakaten in fünf Sprachen, Vorführmodellen, einer Test- und Umfrageaktion bei über 30.000 Zahnärzten sowie der Entwicklung von zwei innovativen Matrizen und einem Modell gewinnt er neue Kunden und macht das Unternehmen weltweit bekannt.
In über 80 Länder liefert die Dr. Walser Dental heute ihre Spezialinstrumente und die Abnehmer sind begeistert. Daigers Geheimrezept ist so erfolgreich wie simpel: „Wir sehen unseren Kunden als Partner; für Anregungen und Ideen haben wir immer ein offenes Ohr.“ Dank eines strengen Sparkurses sind alle Schulden abgebaut, und das eröffnet Spielraum für soziales Engagement: Daiger spendet Zahnärztliche Instrumente für Zahnmedizin-Studenten in Brasilien, Afrika, Tonga und auf den Cook- Islands. Aber auch Arbeitslose und Selbständige, die in Schieflage geraten sind, unterstützt er kostenlos. Beim weltweit größten dentalhistorischen Museum war er der großzügigste Spender.
Sein Einsatz brachte dem Firmenchef bisher 14 Auszeichnungen ein, darunter der Bundeswirtschaftspreis „Goldjupiter“ verbunden mit der Ehrensenatorwürde Senator h.c., die Ehrung „Sozial engagiert 2009“ und die Platzierung unter den Top 3 „International Best Factory Award“.
www.walser-dental.com