
Als Wolfgang Czizegg 40 wird, begibt er sich auf Brautschau. „Jetzt oder nie, habe ich mir gedacht. Schließlich wollte ich mich auch noch selbständig machen." Der erfahrene Manager - bis zu dem Zeitpunkt leitet er die deutschen Werke eines internationalen Verpackungsmittelherstellers - macht sich auf die Suche nach einem mittelständischen Unternehmen, das sich von ihm übernehmen lassen will. In der Waldorf Technik GmbH & Co. KG findet er sein Dornröschen. Er weckt es - und stellt die Firma für die Automatisierung von Spritzgussanlagen auf soliden Boden.
Wolfgang Czizegg hauchte der Waldorf Technik neues Leben ein.
Wolfgang Czizegg hatte sich zuvor durch die Angebote von Banken gewühlt, hatte Kontakt zu Maklern aufgenommen. Nirgends findet er das Richtige. Schließlich inseriert er selbst in der IHK-Zeitschrift. Darauf meldet sich der damalige Inhaber von Waldorf Technik mit einem Einzeiler: „Wenn ich Interesse hätte, könnte ich mir das ja mal anschauen." Was Wolfgang Czizegg in dem Unternehmen vorfindet, ist jede Menge Potential im Dornröschenschlaf. Die Vitalfunktionen sind intakt. „Ich habe mir gedacht: Wenn ein Unternehmen unter solchen Umständen noch nicht sang- und klanglos untergegangen ist, dann muss was dran sein." Czizegg entscheidet sich binnen einer Woche für den Kauf.
Eines der Phänomene ist der nicht vorhandene Vertrieb. „Die Aufträge kamen irgendwie so rein", erinnert sich der heutige Geschäftsführer. „Aber bald wusste ich: Entweder waren das lausig bezahlte Sachen, oder sie waren technisch so kompliziert, dass sich kein anderer rantraut." Ein Eldorado für Tüftler - und ein betriebswirtschaftlicher Alptraum. „Es gab zum Beispiel auch eine Regel, nach der man Neuentwicklungen nicht weiteren Kunden anbieten durfte. Und das ohne jede Exklusivitätsvereinbarung", blickt Wolfgang Czizegg zurück.
Der neue Chef stellt das Unternehmen vom Kopf auf die Füße. Er gewinnt das Vertrauen der Mitarbeiter, lässt Fehler zu, solange daraus gelernt wird, baut eine Struktur auf, die auch mal ohne ihn auskommt. Mit den Banken handelt er ein tragfähiges Finanzierungskonzept aus. Und er fokussiert das Unternehmen auf zwei Hauptmärkte: Die Verpackungsmittelindustrie und Hersteller von medizinischen Verbrauchsartikeln aus Kunststoff. Für diese beiden Kundengruppen baut Waldorf Technik Automatisierungsanlagen, die die fertigen Kunststoffteile aus den Spritzgusswerkzeugen entnehmen und für die weitere Bearbeitung platzieren.
„Bei der Wahl der Märkte haben wir ins Schwarze getroffen", freut sich Wolfgang Czizegg, „medizinische Verbrauchsartikel, beispielsweise für Diabetiker, und Verpackungen für Lebensmittel werden immer gebraucht. Beide sind von der Krise nicht betroffen." Seit er die Firma 2003 übernommen hat, hat sich die Mitarbeiterzahl auf knapp 85 verdoppelt. Der Umsatz wuchs dazu überproportional von 5 auf 13 Millionen Euro. Wolfgang Czizegg ist kein Ritter auf einem weißen Ross, und doch hat er es geschafft, die Dornenhecke zu durchschlagen. „Der Auftragseingang ist hoch, und gerade haben wir eine US-Tochter gegründet. Noch ist kein Ende abzusehen. Und eines sei noch betont: Unser Erfolg ist der Erfolg einer Spitzen-Mannschaft, nur mit dem Einsatz von jedem Einzelnen sind wir soweit gekommen ".
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