
Ein Musterbeispiel traditioneller, ostdeutscher Unternehmenskultur ist der „Zeulenrodaer Holzfachhandel" in Thüringen. 1906 von Urgroßvater Otto Neudeck als Sägewerk gegründet, führt heute Jörg Neudeck das Familiengeschäft in vierter Generation erfolgreich fort. Ein Ergebnis beeindruckender Ausdauer. Denn ob beschwerliche Nachkriegsjahre, politische Zwänge zu DDR-Zeiten oder der Neustart nach der Wende - im Hause Neudeck hat man sich nie entmutigen lassen.
Klopfen auf Holz: Jörg Neudeck (5.v.l.) und seine Mitarbeiter
Die schlimmste Zäsur ihrer über 100-jährigen Firmenhistorie erleben die Neudecks in den sozialistischen Fesseln der DDR. Die Planwirtschaft bedeutet die fast vollständige Ausradierung sämtlicher Privatbetriebe. 1972, im Zuge der letzten großen Verstaatlichungswelle, wird auch das Unternehmen der Neudecks enteignet. Zwei Jahre später folgt die unfreiwillige Angliederung an das Möbelkombinat Zeulenroda. Ihre einstige Philosophie, Qualität durch steten Fortschritt zu liefern, landet gezwungenermaßen im Papierkorb. Nachhaltige Investitionen in die technische Weiterentwicklung bleiben aus, die Produktion fährt gemäß der Vorgaben allenfalls auf Sparflamme.
Die sprichwörtliche Wende kommt erst 1990, mit der Wiedervereinigung. Der neue Chef Jörg Neudeck reprivatisiert das Sägewerk unter dem Namen seines Großvaters „Martin Neudeck" und gründet gleichzeitig den Zeulenrodaer Holzfachhandel. Ein Neuanfang, der jedoch nicht frei von Hindernissen ist. Durch einen Urkundenfehler taucht das Firmengrundstück irrtümlicherweise in der Konkursmasse des einstigen Möbelkombinates auf. Jörg Neudeck ist am Boden zerstört, als er aufgefordert wird, das Feld zu räumen. Das Feld, das er für die Zukunft längst bestellt hat: Eine neue Ausstellungshalle wurde gebaut, eine zweite Gatteranlage für den Holzschnitt angeschafft. Immense Investitionen, die mit einem Schlag zunichte gemacht werden sollen. Vier Jahre lang kämpft er hartnäckig um sein Unternehmen und erreicht schließlich mit Hilfe der Treuhand, dass 1994 der Fehler behoben wird. Von da an ist Jörg Neudeck nicht mehr zu bremsen. Er schafft moderne Strukturen und erschließt neue Geschäftsfelder. 2001 verabschiedet er sich von dem Sägewerksbetrieb und gründet stattdessen die Holz Neudeck GmbH, die sich auf die Herstellung von Kisten, Holzverschlägen und Sonderpaletten spezialisiert. „Eine Umstellung ist immer ein schwieriger Prozess, aber der Mut hat sich ausgezahlt", frohlockt Jörg Neudeck. Die Anzahl der Mitarbeiter konnte inzwischen auf über 20 gesteigert werden und liegt damit höher als zu Sägewerkzeiten. Beim zweiten Standbein, dem Zeulenrodaer Holzfachhandel, ist der Anteil der Privatkunden seit der Wende um 100 Prozent angewachsen, so dass der Einzelhandel heute einen Schwerpunkt des Unternehmens bildet. Erfolgsmeldungen auf allen Ebenen. Jörg Neudeck hat das Familiengeschäft nicht zuletzt dank seiner Zielstrebigkeit und Dynamik zu einem verlässlichen, kompetenten Partner für Endverbraucher, Handwerker und Industriekunden entwickelt.
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