
Michael Louis, Mitgründer der Mindjet GmbHDer Software-Entwickler Michael Jetter aus Starnberg erkrankte Anfang der 90-er Jahre an einer schweren Form der Leukämie. Der heute 42-Jährige musste in ein Münchner Klinikum eingeliefert werden. Jetters Leben war akut gefährdet - er wurde auf die Intensivstation verlegt. Er gehörte zu den Ersten in Deutschland, denen Stammzellen implantiert wurden. „Um gegen die Angst anzukämpfen und der Nachwelt etwas Bleibendes zu hinterlassen, programmierte ich vom Krankenbett aus den Großteil des Tages", sagt Jetter. Das Resultat: die bahnbrechende Software „MindManager". Das Programm richtet sich an alle, die ihren Gedanken freien Lauf lassen möchten. Angelehnt an die psychologische Mapping-Methode werden Ideen visualisiert. Gedankenfragmente werden in Grafiken, Symbolen und Texten anschaulich präsentiert, thematisch sortiert und miteinander verknüpft. Das neue an Jetters Idee: Anstatt Papier den Computer dafür zu einzusetzen. Nach eine langen Phase der Rekonvaleszenz hat der Programmierer heute den Kampf gegen den Blutkrebs gewonnen.
Auch aus Unternehmersicht musste Michael Jetter kämpfen. Mit seiner Ehefrau Bettina gründete er Anfang der 90er Jahre eine kleine Firma, von ihrem Wohnzimmer aus. „Das Problem war, ein zunächst virtuelles Unternehmen aufzuziehen und gleichzeitig Mikes Krankheit gegenüber Kunden und Geschäftspartnern zu verbergen", blickt Bettina Jetter zurück. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen, PCs waren noch nicht allgegenwärtig. Mitte der 90er Jahre kam Michael Louis hinzu. Der Software- und Marketing-Fachmann erkannte sofort das enorme Potenzial des Planungsprogramms. Bis dahin war MindManager noch eine Software unter vielen bei der kleinen Softwareschmiede im unterfränkischen Alzenau. Das wollte Louis ändern. Er hatte jedoch ein Problem: Wie überzeuge ich Kunden von der neuen Idee?
„Wer mit der Software MindManager arbeitet, muss einen Paradigmenwechsel vollziehen", sagt der heutige Geschäftsführer und Mindjet-Mitgründer Louis. „Der Anwender muss die übliche, lineare Arbeitsweise überwinden, um die Vorteile der Mapping Methode optimal auszuschöpfen", so der 43-Jährige. Als er die erste Version der Software im Jahr 1994 Kunden vorstellte, herrschte jedoch Skepsis: Zu unbekannt, zu verwirrend und kein Nutzen zu erkennen. Die MindMap-Methode war zwar schon in den 1960er Jahren von dem britischen Psychologen Tony Buzan erfunden worden. Jedoch war sie hierzulande fast unbeachtet geblieben. „Da war viel Überzeugungsarbeit zu leisten", so Louis. „Und wir mussten betonen, dass der Einsatz des Computers gegenüber der herkömmlichen Methode auf Papier nur Vorteile bietet. Der Nutzer erhält am Bildschirm einen einfacheren Überblick über komplexe Sachverhalte und kann diese beliebig verändern."
Die „Gedanken-Landkarten" sollen jedem helfen: vom Schüler bis zum Unternehmenschef. Louis stellt insbesondere den Nutzen für Unternehmen - unabhängig von ihrer Größe - heraus. Teams und einzelne Mitarbeiter sollen mit der Lösung in der Lage sein, ihr Wissen mit Informationen aus Unternehmensdaten zu verknüpfen. „Nur wem es gelingt, den Innovationsgeist der Mitarbeiter zu wecken, schafft ein Klima, in dem kreative Lösungen entstehen können." So bietet die Software zahlreiche Möglichkeiten für die Zusammenarbeit im Team und Netzwerk. „Dabei minimiert der Einsatz von MindManager den Aufwand bei der Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation von Projekten und Meetings."
Mit viel Leistungsbereitschaft konnte Louis in den folgenden Jahren zahlreiche Unternehmen von den „Business-Maps" überzeugen. Die Umsätze stiegen und die Software setzte sich am hart umkämpften IT-Markt durch. Das führt der Mitbegründer auch darauf zurück, dass „sich das Unternehmen in jeder Wachstums- und Reifephase bemüht hat, passende Partner und Multiplikatoren zu begeistern. Das erste und bis heute führende Programm seiner Art hat den Markt der Visualisierungssoftware erschlossen."
Die Firma Mindjet verzeichnet in den letzten Jahren ein kontinuierliches, gesundes Wachstum. Weltweit setzten 2005 mehr als 750.000 Anwender auf die bayrische Software. Der Umsatz lag bei 25 Millionen Euro. Zahlreiche Großkonzerne wie Hewlett-Packard oder Siemens gehören zu den Kunden. Aus dem anfänglichen Trio der Eheleute Jetter und Michael Louis wurde eine weltweit agierende Firma mit 170 Mitarbeitern. Michael und Bettina Jetter leiten inzwischen den amerikanischen Firmensitz in San Francisco mit. Über die bewegende Vergangenheit schrieben sie 2004 das Buch „The Cancer Code - Wie aus dem Kampf gegen Leukämie eine bahnbrechende Software entstand". Michael Louis leitet den europäischen Hauptsitz in Alzenau. „Der regionale Bezug ist uns sehr wichtig", sagt er.
Mit der Bewerbung zu „Mutmacher der Nation" möchte das Unternehmen gleich zweimal Mut machen. Einmal auf Grund der überwundenen persönlichen Schicksalsschläge von Michael Jetter. Und durch den festen Glauben an ein Nischenprodukt, das zum Weltmarktführer in seiner Branche aufsteigen sollte. „Durch die persönliche Situation haben wir Kraft gewonnen. Kraft, die uns auch in der Geschäftswelt mit Mut und Optimismus weiter gebracht hat." Mit der Vision und der Passion für ihre Produkte bewerben sich Jetter und Louis nun bei „Mutmacher der Nation". Die Mittelstands-Initiative von DasÖrtliche, den Bürgschaftsbanken und „impulse" stellt solche vorbildlichen Unternehmer und Unternehmerinnen der Öffentlichkeit vor. Und sie sind sich sicher: „Nur wer von etwas begeistert ist, kann andere Menschen dafür begeistern."
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