Preiskampf der Airlines wirkt sich auf Flughafen Jobs aus

Die Situation ist nicht neu: Über den Wolken tobt seit Jahren ein gnadenloser Preiskampf der Fluggesellschaften. Seitdem mit den Liberalisierungen innerhalb der EU in den 1980er/1990er Jahren vermehrt Billiganbieter den Markt betreten haben, hat sich die Situation im Luftverkehr grundlegend gewandelt. Der Verbraucher profitiert davon, denn er kann heutzutage für wenige Euro innerhalb Europas Ziele anfliegen, die zuvor nur Bessersituierten vorbehalten waren. Die Kehrseite der Medaille: Natürlich kann nur so billig geflogen werden, wenn an allen Ecken und Enden gespart wird, sei es am Service, Verpflegung, der Sicherheit (was selbstverständlich jede Airline weit von sich weist) – und nicht zuletzt am Personal. Harte Zeiten für Flughafen Jobs.

Die Situation im Luftverkehr

Flughafen Jobs - Rollfeld mit Flugzeugen

Sind Jobs am Flughafen noch erstrebenswert? © istock/Daxus

Die alteingesessenen Platzhirsche wie Lufthansa, Air France oder die amerikanischen Airlines hatten (und haben) eine große Luftflotte, einen dichten Netzwerkverkehr und einen umfassenden Service zu hohen Preisen. Die Low-Cost-Airlines setzten dagegen zunächst ausgewählte Strecken mit relativ wenigen Flugzeugen und auf ein Minimum reduzierten Service zu Dumping-Preisen. Dadurch erreichten sie eine hohe Auslastung und konnten rasant wachsen. Ryanair oder easyJet gehören inzwischen längst zu den 20 größten Fluggesellschaften weltweit.
Doch nicht nur auf den Kurzstrecken ist den großen Airlines Konkurrenz erwachsen. Auch die Langstrecken werden durch arabische und fernöstliche Fluggesellschaften mehr und mehr angegriffen. Hier haben zum Beispiel Turkish Airlines, Qatar Airways, Emirates und die chinesischen Airlines bedeutende Marktanteile erobert.

Gibt es am Flughafen bald nur noch Billigjobs?

In der Tat ist die Luftfahrtbranche stark unter Kostendruck, was die Beschäftigten in Form von erhöhten und flexibleren Arbeitszeiten sowie geringeren Entgelten zu spüren bekommen. Wie in anderen Branchen auch werden Jobs am Flughafen an externe Dienstleister outgesourct, um Tarifverträge zu umgehen. Laut der Branchenanalyse Luftverkehr der Hans-Böckler-Stiftung vom Mai 2016 werden zum Beispiel längst 45 Prozent der Dienstleistungen an europäischen Flughäfen von externer Seite erbracht, Tendenz steigend.

In einer ARD-Dokumentation vom März 2017 wurden die Beschäftigungsverhältnisse von Ryanair näher beleuchtet: Um Kosten zu sparen, beschäftigen die Iren einen Großteil ihrer Piloten über Personalagenturen. Diese werden als selbstständige Unternehmer angeheuert, wenn Bedarf besteht. Hier werden also Arbeitnehmer in die Scheinselbstständigkeit gedrängt. Und auch seine Flugbegleiter(innen) soll Ryanair alles andere als pfleglich behandeln: Laut einem Artikel in der WELT zahle der Billiganbieter im Vergleich zum Wettbewerb nicht nur deutlich schlechtere Löhne, sondern setze seine Crew-Mitglieder auch unter Druck, bestimmte Mindestumsätze beim Verkauf von Essen, Parfum oder Rubbellosen zu erzielen. Da passt ein Zitat von Michael O’Leary, Chef von Ryanair, ins Bild: „Heute müssen Unternehmen-Chefs sagen ‚Unsere Beschäftigten sind unser wichtigstes Asset‘. Was ein Schwachsinn. Die Beschäftigten sind unser größter Kostenblock und viele sind so faul, dass wir sie ständig in den Hintern treten müssen.“

Flughafen Jobs über Zeitarbeit

Flugbegleiter und Mitarbeiter in der Abfertigung haben oft Zeitarbeitsverträge, und viele Beschäftigungsverhältnisse in der Personenbeförderung basieren auf dem Arbeitszeitmodell Teilzeit, so werden etwa Flugbegleiter von Airlines in den Hochphasen der Sommermonate in Vollzeit eingesetzt, in den anderen Monaten gar nicht.
Bei allen Bedenken gegen das Beschäftigungsmodell Zeitarbeit; auch Zeitarbeit bietet seine Vorteile und sollte nicht pauschal als schlecht verurteilt werden, denn es geht auch anders: Die Firma AviationPower, 2004 aus einem Jointventure von Lufthansa Technical Training und Manpower entstanden, hat sich an den großen Flughäfen Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und Köln sowie in Bremen niedergelassen und bietet Arbeitsplätze in allen Bereichen rund um die Luftfahrt:

  • Maintenance: Ingenieure, Elektroniker, Konstrukteure, Technische Zeichner, Fluggerätemechaniker etc.
  • Bodenpersonal: Bodenverkehrsdienste, Flughafenfeuerwehr, Jobs in Gepäckermittlung, Gepäckaufbewahrung und Fluggastabfertigung, Mitarbeiter für die Gastronomie etc.
  • Kaufmännisches Personal: Personalwesen, Fachinformatiker, Mitarbeiter in Büromanagement, Controlling und Einkauf etc.

Die Zahlen von AviationPower sprechen für sich: 30 Prozent der vermittelten Arbeitskräfte werden später von den Kunden übernommen. Zudem legt AviationPower Wert darauf, nicht nur – wie viele andere Arbeitsvermittler – das „Helfergeschäft“ zu bedienen, sondern sucht und vermittelt zu einem Großteil Fachkräfte und hochqualifiziertes Personal. Zehn Prozent der Mitarbeiter werden in Schulungen und Zusatzausbildungen für die bevorstehenden Aufgaben qualifiziert. Weiterhin bietet man mit „Emerging Talents“ ein Programm, in dem Nachwuchsführungskräfte für höhere Aufgaben qualifiziert werden.

Job am Flughafen und drum herum – zukunftssicher?

Die Branche wächst und wächst. Die Passagierzahlen steigen stetig, Experten rechnen in den nächsten Jahrzehnten mit einer Verdopplung des Passagieraufkommens, da speziell die Märkte in Asien immer größer werden. Natürlich bedeutet dies auch, dass immer (mehr) Personal in der Personenbeförderung und allen angrenzenden Gebieten rund um den Luftverkehr benötigt wird. Gerade im Bereich Sicherheit ist mit hohem Personalrecruiting zu rechnen, denn aufgrund immer höherer Terrorgefährdung sind immer spezifischere Sicherheitsmaßnahmen notwendig, die mit einem immer größeren Personalaufwand einhergehen. Der Bedarf an Arbeitskräften wird also ausgebaut, so dass aus dieser Perspektive ein Job am Flughafen trotz Preiskampf der Airlines und der teilweise schwierigen Bedingungen für Arbeitnehmer also durchaus zu empfehlen ist.

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