Das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2012 trotzt der Wirtschaftskrise

Ganz Europa leidet unter der Rezession, die auf die Wirtschaftskrise folgte. Ganz Europa? Nein! Ein kleines Land in der Mitte des Kontinents sträubt sich gegen den Abschwung… Wie der Beginn eines Asterix-Comics liest sich der aktuelle Wirtschaftsüberblick über die europäische Union. Alle Länder der EU haben mit einem sinkenden Bruttoinlandsprodukt als Folge der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Lediglich Deutschland konnte für das Jahr 2012 ein positives Wirtschaftswachstum vorweisen: Im vergangenen Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland genauso wie die Kfz Zulassungen.

Was ist das Bruttoinlandsprodukt eigentlich?

Bevor man sich mit dem Bruttoinlandsprodukt beschäftigt, sollte man erklären, was das BIP überhaupt ist: Das Bruttoinlandsprodukt bezeichnet den Gesamtwert von Gütern und Dienstleistungen, welche innerhalb eines Jahres in einem Land hergestellt und geleistet werden. Im Gegensatz zum Bruttonationaleinkommen, bei welchem alle deutschen Staatsbürger, egal in welchem Land sie leben, einbezogen werden, bezieht sich das BIP auf alle Leistungen innerhalb Deutschlands, egal ob von In- oder Ausländern. Somit dient das Bruttoinlandsprodukt zur Messung der wirtschaftlichen Leistung eines Landes und ist Messgröße des Wirtschaftswachstums – gerade große Banken wie die EZB rechnen mit dem BIP.

Wie wird das Bruttoinlandsprodukt berechnet?

Das Bruttoinlandsprodukt kann auf drei verschiedene Arten berechnet werden. Die Berechnungsart hängt davon ab, welche Daten zur Berechnung vorliegen.

  • Dieerste Möglichkeit ist die Entstehungsrechnung, bei welcher zunächst die Bruttowertschöpfung berechnet wird, indem die Vorleistungen vom Produktionswert abgezogen werden. Zur Bruttowertschöpfungen werden Gütersteuern addiert und Subventionen subtrahiert. Das Ergebnis ist das Bruttoinlandsprodukt.
  • Diezweite Variante, um das BIP zu berechnen, ist die Verwendungsrechnung. Hierbei werden alle Bruttoinvestitionen, private Konsumausgaben und Staatsausgaben summiert. Zu dieser Summe werden außerdem Exporte addiert und Importe subtrahiert um das BIP zu erhalten.
  • Diedritte Möglichkeit ist die Verteilungsrechnung. Das Volkseinkommen, welches sich aus Arbeitnehmerentgelt – vom Vollzeitjob bis zum in Altersteilzeit verdienten Geld – und Unternehmen- bzw. dem Vermögeneinkommen zusammensetzt, wird mit Produktions- und Importabgaben abzüglich deren Subventionen aufsummiert, wodurch das Nettonationaleinkommen entsteht. Zu diesem Wert werden die Abschreibungen addiert, um das Bruttonationaleinkommen zu erhalten. Vom Bruttonationaleinkommen werden die Primäreinkommen aus der übrigen Welt subtrahiert – so erhält man das BIP.

In vielen Statistiken findet sich auch die Angabe „BIP pro Kopf“. Sie wird benutzt, um das Bruttoinlandsprodukt eines einzelnen Bürgers herauszurechnen. Dabei wird einfach das gesamte BIP durch die Einwohnerzahl eines Landes geteilt.

Das Bruttoinlandsprodukt 2012 in Deutschland

Deutschland ist also das einzige Land Europas, das 2012 ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen konnte. Diesen Umstand hat unser Land vor allem dem Dienstleistungssektor zu verdanken, der die Bruttowertschöpfung anhob und so für eine Steigerung des Gesamt-BIPs mitverantwortlich war. Außerdem steigerten die privaten Konsumausgaben und Staatsausgaben das BIP, indem sie gegenüber dem Vorjahr um 2,4 und 2,7 Prozent stiegen.

Anders als die Römer, die immer an den Holzpalisaden des gallischen Dorfes scheitern, geht die Rezession an Deutschland nicht spurlos vorüber: Das Wachstum des BIP ist nicht so hoch ausgefallen wie in den Jahren 2011 und 2010.

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