Kryptowährung – Das Geld, das aus dem Rechner kam

Der Hype um Kryptowährungen ist spätestens mit den Geschehnissen rund um den Bitcoin 2017 vollends entfacht. Alle Welt spricht von der Wertexplosion der digitalen Währung. Doch was ist Kryptowährung überhaupt? So kryptisch, wie der Begriff klingt, ist er auch. Denn außer, dass man mit Kryptowährung digital bezahlen kann, sind vielen Menschen die Hintergründe und Begrifflichkeiten, die sich rund ums Thema ranken, kaum bekannt. Daher soll hier einmal erläutert werden, was es mit Kryptowährungen auf sich hat.

Die Themen im Überblick:

 

Wer hat´s erfunden?

3 digitale Münzen

Kryptowährung – das Geld der Zukunft? © istock/rclassenlayouts

Wahrscheinlich nicht die Schweizer. Der oder die Erfinder(in) – oder sind es mehrere? – nannte sich „Satoshi Nakamoto“! Bis heute ist nicht geklärt, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Tatsache ist, dass Satoshi Nakamoto im November 2008 ein achtseitiges Whitepaper im Internet veröffentlichte, in welchem er (sie?) die Idee vorstellte, eine kryptische, also verschlüsselte, digitale Währung zu kreieren, die auf einem dezentralen System unabhängig von Banken beruht.

Und so kam es dann auch. Der Bitcoin wurde bereits im Januar 2009 ins Leben gerufen und die ersten 50 Münzen geschürft, etliche weitere sollten folgen. Bis Ende 2010 leitete Nakamoto wohl die Geschicke des Bitcoins – zumindest kommunizierte er bis dahin innerhalb der Community –, um sich letztendlich mit der Nachricht zu verabschieden, sich fortan anderen Dingen widmen zu wollen. Seitdem hat man nie wieder etwas von ihm gehört resp. gelesen.

Nakamoto: Mit Bitcoins zum Milliardär

Das Vermögen des ominösen Satoshi Nakamoto soll sich auf 980.000 Bitcoins belaufen, denn diese Anzahl an Münzen liegt auf dem ersten Account der neuen Währung. Und diese muss man wohl dem Erfinder, sprich Nakamoto zuordnen. Wenn man nun den Wert eines Bitcoins defensiv bei 5.000 Euro taxiert, wäre der Erfinder der Kryptowährung an die fünf Milliarden Euro schwer. Da nie auch nur eine Münze dieser 980.000 veräußert worden ist, ist davon auszugehen, dass Nakamoto nicht an Geldnot leidet, gar nicht mehr unter den Lebenden weilt, oder eventuell – viele halten das für die wahrscheinlichste Variante – aus welchen Gründen auch immer nicht an sein digitales Vermögen rankommt.

Was sollte man zu Kryptowährung wissen?

Zur Frage, was Kryptowährung ist, wie sie funktioniert und was sich hinter den Begriffen „Bitcoin“ und „Blockchain“ verbirgt, gibt es hier die Erklärungen:

  • Kryptowährung heißt so, weil die Währung kryptografiert, also verschlüsselt wird. Manipulationen im Zahlungsverkehr sollen so ausgeschlossen werden.
  • Eine Kryptowährung ist ein Fiatgeld, wie andere Währungen auch. Sie hat also, beispielsweise im Vergleich zu Gold, keinen Eigenwert – im Gegensatz zu dem Produkt oder der Dienstleistung, die man für die Währung erhält.
  • Die digitale Währung wird nicht von Banken kontrolliert, sondern ist ein sich selbst regulierendes System, das demokratisch den Ablauf des Geldverkehrs untereinander regelt. So wird zum Beispiel die Geldmenge intern abgestimmt und festgelegt und nicht von einer oberen Instanz wie einer Zentralbank aufoktroyiert.
  • Bitcoins sind vereinfacht gesagt aus Rechnerleistung generiertes Geld. Dazu müssen Rechenaufgaben gelöst werden, was beträchtliche Rechnerkapazitäten und Unmengen an Strom benötigt. Für die Lösung des Algorithmus gibt es dann die „Belohnung“: die Auszahlung in Form von digitalen Münzen. Das „Produzieren“ des Geldes wird auch „Schürfen“ oder „Mining“ genannt, und die Protagonisten als „Miner“ betitelt.
  • Beim Bitcoin ist die Geldmenge auf 21 Millionen Münzen gedeckelt, davon sind bereits mehr als 50 Prozent produziert.
  • Blockchains definiert das Gabler Wirtschaftslexikon wie folgt:
    „Blockchain („Blockkette“) stellt eine dezentrale Datenbank dar, die im Netzwerk auf einer Vielzahl von Rechnern gespiegelt vorliegt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Einträge in Blöcken zusammengefasst und gespeichert werden. Durch einen von allen Rechnern verwendeten Konsensmechanismus wird die Authentizität der Datenbankeinträge sichergestellt.“ Transaktionen sind also öffentlich zugänglich und von jedem nachzuvollziehen. Lesen Sie dazu auch, wie die Blockchain funktioniert.
  • Durch die komplizierten Verschlüsselungen sind die Urheber von Transaktionen pseudonym und damit so gut wie anonym.

Wie kommt der Wert einer Kryptowährung zustande?

Der Wert von Kryptowährungen hängt natürlich davon ab, inwiefern die handelnden Personen Vertrauen in die Währung haben und welchen Preis sie zu zahlen bereit sind. Der Bitcoin (BTC) war bei seiner Entstehung 2009, wen wundert´s, nichts wert. In 2010 lag seine höchste Dotierung bei 0,39 Dollar. In den nächsten zwei Jahren stieg der Kurs für einen BTC bis an die 10 Dollar, um 2013/2014 einen ersten Boom mit knapp 1.000 Dollar zu erleben. Danach pendelte sich der Kurs im mittleren dreistelligen Bereich ein, bis – und damit wurde der Bitcoin endgültig zum Hype – 2017 die Preise plötzlich durch die Decke gingen. Die bisherige Bestmarke steht bei unglaublichen 20.000 Dollar (17.12.2017). Dass darauf ein Crash folgen musste, liegt auf der Hand: Der Kurs fiel um ca. 70 Prozent und hat sich bis Juni 2018 bei etwa 7.000 bis 7.500 Dollar eingependelt.

Zahlungsmittel Bitcoin?

Die Erwartungshaltung der Anleger scheint trotz, bzw. gerade wegen der enormen Kursschwankungen ungebrochen. Kryptobörsen schießen aus dem Boden. Jeder will etwas vom Kuchen abhaben – sofern es denn noch irgendetwas zu verteilen gibt.

Mit dem Hype um den Bitcoin steigt auch seine Akzeptanz. Denn letztendlich möchten viele Spekulanten ihre Gewinne auch ausleben, sprich ausgeben. Folglich gibt es immer mehr Dienstleister und Anbieter im Online-Handel, die den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, nicht unbedingt nur aus reiner Kundenfreundlichkeit, sondern auch, um gegebenenfalls von einem neuen Höhenflug der digitalen Währung zu profitieren. Und hier liegt die Crux des Phänomens: Hohe Kursschwankungen schrecken auch ab. Schließlich beinhaltet Kryptowährung ein hohes Risiko – nicht die beste Vorstellung für einen Gewerbetreibenden, wenn er feststellt, dass seine Einnahmen plötzlich nichts mehr wert sind!

Kryptowährung wird in der Öffentlichkeit oft als Zahlungsmittel für Kriminelle dargestellt. Waffen- und Drogenkauf im Darknet? Nur mit Bitcoins zu bezahlen. Erpressungen? Laufen heutzutage immer öfter mit Lösegeldforderungen ab, die in Kryptowährungen zu entrichten sind. Denn natürlich machen sich Verbrecher die Anonymität bei Transaktionen von digitalem Geld zu Nutze. Allerdings geht in diesen Kreisen der Trend weg vom Bitcoin und hin zu alternativen Kryptowährungen, genannt Altcoins, die noch besseren Datenschutz und damit noch bessere Verschleierung der wahren Identität garantieren: Monero, Dash oder Litecoin sind die Favoriten.

Schild Bitcoin Accepted Here

Hier kann mit Bitcoins bezahlt werden © istock/ibrahimaslann

Wie viele Kryptowährungen gibt es?

Laut Wikipedia gibt es (Stand 01.05.2018) ca. 1.600 Kryptowährungen mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von ca. 413 Milliarden Dollar. Sie unterscheiden sich teilweise erheblich, so gibt es beispielsweise ganz unterschiedliche Eigenschaften in Hinblick auf Mining, Blockchain oder Emission.

Neben den bereits genannten sind Ethereum, Ripple, Bitcoin Cash (eine Abspaltung des Bitcoins), Neo, Stratis, Dogecoin oder Cardano Altcoins, die schon ein gewisses Standing haben oder denen gute Perspektiven eingeräumt werden.

Wie zukunftssicher oder zukunftstauglich ist Kryptowährung?

Diese Frage beschäftigt natürlich jeden, der vorhat, in digitale Währung zu investieren. Eins ist wohl klar: Kryptowährungen sind die Zukunft. Auch wenn Banken es nicht gerne hören werden, aber sie werden sich wohl schon in wenigen Jahren mit einer starken Konkurrenz konfrontiert sehen und zusehends an Marktanteilen verlieren, immer unter der Voraussetzung, Kryptowährungen werden nicht verboten. Denn Banken werden überflüssig, wenn Menschen Leistungen, die sie bei der Bank teuer bezahlen müssen, gratis erlangen können.

Vor allem in denjenigen Ländern, die mit einer instabilen Währung zu kämpfen haben – und das werden mit der Zeit immer mehr – und die Menschen das Vertrauen ins bestehende System verloren haben, ist die Bereitschaft groß, sich auf digitale Währungen einzulassen. Anderswo mögen Bedenken gegenüber Kryptowährungen größer sein, nicht nur, weil die Risiken bezüglich des Wertverlustes zu groß sind, sondern auch, weil die rechtliche Absicherung fehlt. Wie kommt man an sein Geld, wenn man die Verschlüsselung verloren hat? Oder was passiert bei Fehlbuchungen?

Bitcoin oder Altcoin?

Was die Zukunft des Bitcoins betrifft, gehen die Experten-Meinungen weit auseinander, wohin die Reise gehen mag: Die einen sagen der Währung ein schnelles Ende voraus, andere behaupten, der Bitcoin werde in den nächsten vier Jahren bis auf einen Kurswert von 200.000 Dollar steigen.

Welche Krytowährungen dem Bitcoin den Rang ablaufen werden, ist nicht vorherzusagen, denn es gibt wie immer bei technologischen Neuerungen zu viele Unwägbarkeiten. Es ist nicht nur das Produkt, die Technologie, das Marketing etc. entscheidend. Oft ist es auch ganz banal eine glückliche Fügung, die dafür sorgt, dass sich der eine am Markt durchsetzt und der andere eben nicht. Gut stehen die Chancen für diejenigen Altcoins, die sich bereits ein Standing erarbeitet haben.

Investieren oder Finger weg von Kryptowährungen?

Als Altersvorsorge taugt die Investition in Bitcoins & Co. nicht, da das Risiko des Wertverlustes schlicht zu hoch ist. Wer aber nicht weiß, wohin mit seinem Geld, und ein richtiger Zocker ist, wird an Kryptowährungen seine helle Freude haben.

Bitcoins kann man zum Beispiel hier kaufen. Übrigens muss man nicht in mindestens einen Bitcoin investieren – hierfür müsste man ja ein paar tausend Euro investieren. Nein, man kann auch Anteile für einen Hunderter erwerben.  Das Guthaben kommt ins Wallet, die digitale Geldbörse, und dann heißt es nur noch Warten auf den nächsten Boom.

Wichtig:

Es gibt viele negative Einflussfaktoren auf den Preis, vor allem das gesetzliche Risiko, dass eine große Regierung Bitcoin-Unternehmen verbietet oder streng reguliert. Das Risiko, dass das Bitcoin-Netzwerk sich auf verschiedenen Entwicklungswegen verzweigt, könnte den Preis ebenfalls gefährden. Darüber hinaus könnte Bitcoin in Zukunft Marktanteile verlieren, wenn, vielleicht mit der Unterstützung großer (Zentral-)Banken, ein ernst zu nehmender Wettbewerber entsteht. (Quelle: www.buybitcoinworldwide.com)

Wer ist denn nun der Gründer der Kryptowährung?

Zurück zu den Ursprüngen, zurück zu dem Geheimnis um Satoshi Nakamoto: Der Australier Computerspezialist Craig Steven Wright behauptete im Mai 2016, Nakamoto zu sein, und legte als Beweis einen Schlüssel für den neunten Blockchain vor – was allerdings nur beweist, dass er sehr früh mit der Kryptowährung in Berührung gekommen ist, nicht, dass er der Erfinder ist. Er wurde aufgefordert, den Schlüssel für den ersten Blockchain vorzulegen, was er nicht tat. Somit blieb er weitere Beweise schuldig. Wright behauptet, mit Dave Kleiman, einem amerikanischen IT-Experten, den Bitcoin entwickelt zu haben. Kleiman starb 2013. Daher gehen die Vermutungen dahin, dass Kleiman möglicherweise (als der wahre Satoshi Nakamoto) im Besitz des Schlüssels für den Account mit den 980.000 Coins war. Das würde zumindest erklären, warum dieses Vermögen nie angetastet wurde.

Die Spekulationen schießen auch abseits dessen ins Kraut. Wiederholt wurde der umtriebige Elon Musk, Gründer von Tesla, als Nakamoto bezeichnet. Doch Musk bestreitet dies. Zuletzt wagte sich die Mitbegründerin der Sicherheitssoftware Kaspersky, Natalja Kasperskaja, mit einer interessanten These vor: Sie behauptete im Januar 2018, der Bitcoin sei eine Erfindung des amerikanischen Geheimdienstes.

Wie dem auch sei: Man wird sich wohl noch eine Weile gedulden müssen, bis die Frage geklärt ist, wer sich denn nun die Erfindung Kryptowährung – und damit gegebenenfalls die Einleitung einer neuen Ära ohne ein Bankensystem – an die Fahnen heften darf. Vielleicht wird dieses Mysterium aber auch für immer ein Rätsel bleiben.

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