Nachhaltige Mobilität für Mensch und Umwelt

Das Thema „Nachhaltige Mobilität“ ist aktueller als je zuvor. Insbesondere im Zusammenhang mit möglichen Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge und kostenlosem Nahverkehr ist die Problematik verstärkt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt, denn die Verkehrspolitik braucht (neue) Konzepte. Die großen Metropolen sind in Sachen Verkehr längst an die Schmerzgrenzen ihrer Kapazitäten gelangt, die Belastungen für Umwelt und Gesundheit werden immer schwerwiegender. Doch wo sind die Lösungen? Wie kann eine nachhaltige Mobilität überhaupt aussehen?

Was ist nachhaltige Mobilität?

Im „Lexikon der Nachhaltigkeit“ der Industrie- und Handelskammer Nürnberg heißt es zur nachhaltigen Mobilität:

Grundlegendes Ziel einer modernen Verkehrs- und Umweltpolitik muss es sein, die gesellschaftlich notwendige Mobilität möglichst umweltverträglich zu gestalten. Dafür müssen Strategien und Konzepte entwickelt werden, mit denen die Mobilitätsbedürfnisse im Individual- wie im Güterverkehr so befriedigt werden, dass sie mit den Anforderungen an eine nachhaltige, also auf Dauer tragfähige, Entwicklung vereinbar sind. Nachhaltige Mobilität geht dabei weit über den effizienteren Einsatz von Transportmitteln hinaus. Sie beinhaltet wichtige Kriterien des Klimaschutzes. So bedeutet nachhaltige Mobilität eine Verringerung von Emissionen, aber auch einen geringeren Ressourcenverbrauch. Gemeint ist zum Beispiel ein reduzierter Flächenverbrauch von Transporteinrichtungen welcher wiederum zum Klimaschutz beiträgt, indem Grünflächen erhalten bleiben. Neben den klimaschützenden Elementen der nachhaltigen Mobilität sind soziale Faktoren von zentraler Bedeutung. Eine Minderung des Lärms würde zum Beispiel Konflikte zwischen Verursachern und Betroffenen vermeiden. Zudem würde „Mobilität für alle“ das Gerechtigkeitsziel verfolgen. Aus ökonomischer Perspektive wird Mobilität durch entsprechende verkehrspolitische Maßnahmen nachhaltiger.

LKW und Züge vor Skyline

Nachhaltige Mobilität ist eine der großen Zukunftsfragen © istock/panimoni

Ziele nachhaltiger Mobilität

Um eine nachhaltige Mobilität zu erreichen, braucht es langfristige Mobilitätskonzepte, die folgende zentralen Aspekte umfasst:

  • Klimaschutz: insbesondere Senkung von CO2-Emissionen
  • Feinstaubbelastung: Reduzierung von PM10 und PM2,5
  • Lärmverringerung: Beeinträchtigungen aus Flughäfen, Güterverkehr und Straßenverkehr mindern
  • Natur-/Landschaftsschutz: Flächenverbrauch (Siedlungs- und Verkehrsflächen) senken
  • Verbesserung der Lebensqualität: speziell für Anwohner von hochfrequentierten Verkehrswegen

Mobilität – überbewertet  oder überlebenswichtig?

Mobilität ist für viele Menschen zwingend notwendig. Ganz banal gilt das, weil der überwiegende Teil der Menschen nicht das Glück hat, seinen Broterwerb in unmittelbarer Nähe seiner Behausung bestreiten zu können. Fahrrad, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) oder das Auto müssen also bereitstehen, damit man überhaupt zur Arbeit und wieder nach Hause kommt.

Aber Mobilität lässt sich längst nicht nur auf den Arbeitsweg beschränken. Mobilität bedeutet Unabhängigkeit. Und Unabhängigkeit kann sich nicht jeder leisten. Von daher ist wichtig, dass auch denjenigen, die finanziell schlechter gestellt sind, der Zugang zur Mobilität nicht verwehrt wird. Denn hier beginnt soziale Ausgrenzung, wenn Menschen sich schlicht und einfach nicht leisten können, von A nach B zu gelangen. Das betrifft zum Beispiel Kinder von sozial schwachen Familien, die kaum zur Schule oder Kindergarten gebracht werden können, oder den Sportverein, Musikunterricht etc. nicht erreichen, weil die Eltern nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, sie dort hinzubringen – ganz zu schweigen vom Luxus, einfach mal einen Ausflug ins Grüne zu machen oder sozialen Kontakten nachzukommen, Familie oder Freunde in einer anderen Stadt (oder in derselben) zu besuchen.

Nachhaltige Mobilität muss demnach die Voraussetzungen schaffen, dass Menschen egal welcher sozialen Stellung Zugang zum Arbeitsmarkt, Bildung und kulturellen Angeboten, medizinischer Versorgung und Produkten und Dienstleistungen aller Art haben.

Unsere Mobilität ist teuer und dreckig

Mobilität wird immer teurer. Autofahren hat sich laut Statistischem Bundesamt im Zeitraum von 2000 bis 2016 um 27 Prozent  verteuert, Bahnfahren um etwa 50 Prozent, und die Preise im ÖPNV stiegen sogar um knapp 73 Prozent.

Zusätzlich gibt es immer mehr Verkehr, insbesondere in immer größer werdenden Städten. Daher tut sich auch nichts in der Klimabilanz im Bereich Verkehrspolitik, im Gegenteil: Immer mehr PKWs lassen die Erreichung der Klimaziele in weite Ferne rücken. Laut Umweltbundesamt stiegen die Emissionen in 2017 um 2,3 Prozent auf 170,6 Mio. Tonnen.

Daher betont Umweltministerin Schulze (SPD), dass „eine grundlegende Verkehrswende“ benötigt werde. Und Umweltbundesamt-Präsidentin Krautzberger fügt im Hinblick auf die Diskussion um umstrittene Diesel-Fahrzeuge hinzu: „Es ist falsch, dass wir nur mit dem Diesel unsere Klimaziele erreichen können. Wir brauchen generell weniger und viel sparsamere Fahrzeuge, egal mit was diese angetrieben werden. Die derzeit von der EU-Kommission vorgeschlagenen CO2-Flottenzielwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge für 2025 und 2030 sind nicht ausreichend. Hier müssen wir schnell nachsteuern, sonst werden wir die für 2030 gesteckten Klimaziele im Verkehr nicht erreichen.“

Also: Nachhaltige Mobilität lässt sich für den Klimaschutz nur mit deutlich verbrauchsärmeren Fahrzeugen erreichen.

Nachhaltige Mobilität am Beispiel Kopenhagen

Kopenhagen hat vorgemacht, wie ein Ansatz für nachhaltige Mobilität aussehen kann. Die dänischen Nachbarn haben den Innenstadtbereich ihrer Hauptstadt drastisch verkehrsberuhigt, indem Fahrbahnen für Autos verringert und Fahrradwege auf deutlich über zwei Meter verbreitert wurden, 390 Kilometer Radschnellwege mit Tempoanzeigen, grüne Wellen für flüssigen Fahrradverkehr und DIY-Reparaturstationen machen das Fahrradfahren so angenehm wie möglich. Zudem gibt es eine Förderung von Lastenfahrrädern, und Polizei und andere öffentliche Institutionen und nutzen im Dienst Fahrräder. Außerdem wird auch Elektromobilität mit zahlreichen Ladestationen gefördert.

Das Ergebnis: 37% der Kopenhagener nutzen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Neben besserer Luft verzeichnet Kopenhagen weniger Unfälle, fittere Arbeitnehmer – und ganz nebenbei wesentlich entspanntere Verkehrsteilnehmer.

Nachhaltigkeitsstrategie, aber wie?

Isolierte Maßnahmen werden nicht zu einer nachhaltigen Mobilität führen. Es ist wie bei fast jedem komplexeren Problem: Der Mix macht´s. Für Ballungsräume müssen Strategien entwickelt werden, die den Individual- und den Güterverkehr in Einklang bringen. Bausteine in einem solchen Konzept sind zum Beispiel

  • Stadt der kurzen Wege
  • Förderung des Fahrrads
  • Carsharing und Bikesharing
  • Bürgerbusse
  • Ausbau des (ggf. auch kostenlosen) ÖPNV
  • Elektromobilität (auch für städtische Flotten und den ÖPNV)
  • Online-Plattformen für Fahrgemeinschaften, E-Ticketing und Mobilitäts-Apps
  • Förderung des Seeverkehrs als effizientester Transportweg
  • Sichere und komfortable Beförderungsmittel

Nicht zuletzt muss auch ein Umdenken stattfinden in Bezug auf Bedeutung des Autos als Statussymbol in der Gesellschaft:  Der Nutzeneffekt des Fahrzeugs sollte in Zukunft als oberste Priorität begriffen werden, nicht der Besitz! Nur so kann eine Nachhaltigkeitsstrategie mit weniger Autos auf den Straßen in Summe aller aufgeführten Maßnahmen überhaupt greifen.

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