Ist die Pkw-Maut auch in Deutschland bald Realität?

Erneut tritt das Schreckgespenst „Pkw-Maut Deutschland“ in Erscheinung, doch diesmal betrifft es nicht nur den deutschen Steuerzahler – CSU Chef Horst Seehofer möchte nun auch die Ausländer zur Kasse bitten. Ein Vorschlag, der recht wenig Zuspruch fand. Doch wie gut stehen die Chancen tatsächlich, dass die Pkw-Maut in Deutschland niemals Einzug hält?

Der Diskurs um die Pkw-Maut in Deutschland

Ein deutlicher Vorteil der Pkw-Maut: die Gebühren würden, da zweckgebunden erhoben, vollständig in die Sanierung der Infrastruktur fließen. Dies sei in Anbetracht der Straßenschäden auf kommunaler Ebene auch dringend nötig. Zurzeit benötigt der Straßenbau einen fast zehnmal so hohen Etat, als ihm vorliegt. Selbstverständlich müsste durch diese Mehrbelastung dann die Kfz- und Mineralölsteuer gesenkt werden. Doch dies ist eher Wunschdenken.

Vorteile mit Beigeschmack

Es wäre sinnvoll die Fixkosten eines Autos zu senken, die variablen Kosten aber zu erhöhen – wer viel fährt, sollte auch mehr zahlen. An dieser Stelle dürfen sich vor allem die Pendler angesprochen fühlen. Viele Verfechter der Maut argumentieren zudem: zusätzliche Gebühren könnten zahlreiche Bürger dazu bewegen auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Dadurch hätte die Pkw-Maut in Deutschland auch einen ökologischen Effekt. Allerdings drängt sich hier die Farge nach den Ticketpreisen, die auch mal ohne nachvollziehbaren Grund angehoben werden, auf.

Ein ebenso populäres Argument, das für die Pkw-Maut in Deutschland spricht, betrifft die Entlastung deutscher Autobahnen. Auch könnte man durch die Maut den stark gestiegenen Verkehr in Deutschland einfacher regeln. Man könne Staus besser managen und zu Spitzenzeiten höhere Gebühren verlangen als in verkehrsberuhigten Momenten. Hier winkt auch der neuste Vorschlag Seehofers, man könne die Fahrer aus dem Ausland an den Kosten beteiligen.

Die Nachteile einer Pkw-Maut auf Deutschlands Straßen

Etwas, was weiter oben als Vorteil galt, wird von Gegnern der Maut als Nachteil gehandelt: wird die Maut zweckgebunden erhoben, fließen Unsummen an Straßenbaukonzerne – egal ob die Mittel an anderer Stelle dringender benötigt werden. Die Mineralölsteuer zu senken, um den finanziellen Ausgleich zu schaffen, ist auch wenig sinnvoll bzw. fair. Immerhin wären sparsame Autofahrer benachteiligt. Zudem müssten besonders einkommensschwache bzw. von Arbeitslosigkeit betroffene Bürger zunehmend auf das Luxusgut Automobil verzichten. Ebenso stellt sich die Frage: wohin weicht der Pkw aus, wenn die Autobahn Gebühren verlangt? Ist es möglich, dass die Maut die Autobahnen ent- und die Landstraßen belastet? Weitere Informationen auf Stern.de

Chancen für die Pkw-Maut in Deutschland

Die EU-Kommission rechnet damit, dass die langersehnte „Pkw-Maut Deutschland“ innerhalb der nächsten vier Jahre kommt. Der Grund: Die Maut für LKW habe diesen Weg geebnet. Allerdings lehnen SPD, Grüne, FDP und die Linke die Maut rigoros ab. CDU und CSU sind sich in dieser Frage noch uneinig. Man wird also warten müssen, was die nächsten Bundestagswahlen bringen.

Pkw-Maut in anderen Ländern

In fast allen EU-Staaten wird die Pkw-Maut erhoben:

  • Bulgarien: 1 Jahr 34 €
  • Österreich: 1 Jahr 80,60 €
  • Schweiz: 1 Jahr etwa 40 €
  • Italien: Streckenbezogen / Mailand – Rom beispielsweise 33,90 €
  • Portugal: Streckenbezogen / Lisboa – Faro beispielsweise 17,70 €
  • Polen: Streckenbezogen / Kopytkowo – Rusocin beispielsweise 2,67 €
  • Spanien: Streckenbezogen / Zaragoza – Bilbao beispielsweise 26,10 €
  • Frankreich: Streckenbezogen / Aix-en-Provence – Paris beispielsweise 57,10 €
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