Was ist Industrie 4.0?

Der Begriff Industrie 4.0 geistert schon seit etlichen Jahren durch die Arbeitswelt. Doch was ist Industrie 4.0? Kaum jemand weiß mit dieser Wortschöpfung konkret etwas anzufangen. Hier gibt es Informationen, was sich hinter der vierten industriellen Revolution verbirgt, was sie beinhaltet und welche Chancen und Risiken sie birgt.

Was ist Industrie 4.0? – Definition

Wer hat´s erfunden? Die Bundesregierung. Kein Scherz, tatsächlich ist Industrie 4.0 eine „Erfindung“ der deutschen Bundesregierung. Anders als Industrie 1.0 bis 3.0, die im Nachherein als industrielle Revolutionen definiert wurden, ist unter dem Begriff „Industrie 4.0“ eine Initiative der Bundesregierung von 2011 zusammengefasst, die die Arbeitswelt revolutionieren soll. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beschreibt Industrie 4.0 wie folgt:

Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 zielt darauf ab, die deutsche Industrie in die Lage zu versetzen, für die Zukunft der Produktion gerüstet zu sein. Sie ist gekennzeichnet durch eine starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-) Produktion. Kunden und Geschäftspartner sind direkt in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse eingebunden. Die Produktion wird mit hochwertigen Dienstleistungen verbunden. Mit intelligenteren Monitoring- und Entscheidungsprozessen sollen Unternehmen und ganze Wertschöpfungsnetzwerke in nahezu Echtzeit gesteuert und optimiert werden können.

Etwas vereinfacht gesagt, geht es bei Industrie 4.0 darum, alle Prozesse der Produktion und Logistik zu digitalisieren und miteinander zu vernetzen.

Was ist Industrie 4.0?

Was ist Industrie 4.0? ©gettyimages/iStockphoto/metamorworks

Übrigens gibt es seit 2016 eine Förderprogrammlinie „Zukunft der Arbeit“. Nähere Informationen zu diesem Thema sind hier erhältlich.

Was war vor Industrie 4.0?

Industrielle Revolutionen haben, das verdeutlicht schon der Begriff „Revolution“, tiefgreifende Veränderungen rund um Arbeitsabläufe und Produktion für die arbeitende Bevölkerung bedeutet. Da es inzwischen Industrie 4.0 gibt, müssen auch drei Vorläufer-Versionen existieren. Hier ein Überblick mit den entscheidenden Veränderungen für die Arbeitswelt:

  • Industrie 1.0: „Mechanisierung“ (ab 1800)
    Erste Produktionsstätten werden mit Maschinen, die mit Wasser- und Dampfkraft angetrieben werden, ausgerüstet
  • Industrie 2.0: „Massenproduktion“ (ab 1910er Jahre)
    Fließband-Arbeit & elektrische Energie, aber auch neue Kommunikation durch Schreibmaschine, Telefon und Telegramm sowie neue bzw. verbesserte Transportmöglichkeiten durch Schiff, Bahn und Flugzeug
  • Industrie 3.0: „Automatisierung“ (ab 1970er Jahre)
    Elektronik & IT – programmierbare Computer revolutionieren den Markt und Arbeitsabläufe

Die Begriffe Industrie 1.0 bis 3.0  wurden erst im Nachherein erfunden – niemand hat sich im Jahr 1800 hingestellt und gesagt „Wir starten jetzt Industrie 1.0“. Der Begriff Industrie 4.0 wurde dagegen geprägt, bevor die zu erwartende industrielle Revolution überhaupt richtig gestartet – geschweige denn abgeschlossen war bzw. ist.

Wie funktioniert die vierte industrielle Revolution?

Ein Beispiel: Wenn eine Firma aus China bei einem deutschen Hersteller ein Produkt ordert, wird die Bestellung digital in Echtzeit aufgegeben und bestätigt, ebenso ans Lager und an weitere Dienstleister für den Versand weitergegeben. Die Bezahlung, etwaige Reklamationen etc. sind ebenfalls digitalisiert. So erhält der Kunde das gewünschte Produkt und jeden Service rund um das Produkt auf dem schnellsten Weg.

Bestellprozesse per Fax waren gestern. Industrie 4.0 bedeutet: Keine Bestellung und Weiterbearbeitung auf Papier, keine zeitlichen Verzögerungen. Voraussetzung für solche Prozesse ist allerdings, dass digitale Schnittstellen geschaffen werden, da der Datenaustausch sonst schlichtweg nicht möglich ist. Wer die Einführung der vernetzten Systeme verschläft, wird den Anschluss verlieren und nicht mehr konkurrenzfähig sein.

Industrie 4.0 – die Risiken

Was bedeutet Industrie 4.0 für die Arbeitsplätze? Klar ist, dass Digitalisierung Arbeitsplätze kosten wird, da Maschinen/Roboter viele automatisierte Prozesse übernehmen können. Die Frage ist nur, wie viele Arbeitsplätze betroffen sein werden. Je nach Studie werden drei, vier, fünf oder mehr Millionen Menschen ihre Arbeit in den nächsten Jahren verlieren. Aber: Heißt es nicht immer so schön, wo Arbeitsplatze wegfallen, entstehen auch wieder andere neue?

Wenn es nach einer Studie des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) geht, kommt es genau so: Es werden zwar kurzfristig viele Stellen gestrichen und durch Maschinen ersetzt, doch werde schon jetzt deutlich, dass durch höhere Gewinne beispielsweise mehr neue Jobs entstünden – allerdings sei zu erwarten, dass diese Jobs sehr komplex seien und eine hohe Qualifikation voraussetzten (sonst könnte die Arbeit ja von Robotern erledigt werden).

Ein großes Risiko der Industrie 4.0 ist die IT-Sicherheit. Natürlich ist eine vernetze Industrie anfälliger für Hackerangriffe als ein abgeschottetes Unternehmen. Wer sich vernetzt, bietet also möglichen Angreifern Einfallstore. Eine Problematik, derer sich viele gar nicht mit allen Konsequenzen bewusst sind. Andere wiederum haben nicht die finanziellen Mittel, um sich ausreichend vor Hackern zu schützen. Denn eins ist klar: Die Systeme müssen ständig geschützt und überwacht werden – Industrie 4.0 benötigt Security 4.0.

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