Wirtschaftsfaktor Hundeliebe – Ein Markt mit hoher Kaufkraft

Zu jedem dritten deutschen Haushalt zählt ein Haustier, womit wir Deutschen auf Platz zwei im europäischen Vergleich landen. Kein Wunder, dass sich Hersteller von Hundezubehör und Co. schnell diesem Trend angenommen haben und täglich mit neuen Highlights aus der Tierwelt die Kaufkraft der Deutschen mobilisieren.

Schätzungen ergaben, dass mehr als 30 Millionen Haustiere in Deutschlands Familien zuhause sind. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe ermittelte, dass mit knapp 12,3 Mio. Katzen und 7,7 Mio. Hunde diese beiden Haustierarten zu den beliebtesten zählen. Die Deutschen geben Milliarden Euro für sie aus. Ausgaben im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Hundehaltung haben etwa einen Anteil von 0,22 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt. Extravagantes Hundezubehör und Designerkleidung, vom Pullover bis zum Mützchen, sind mittlerweile keine Seltenheit.

Hundezubehör und Dienstleistungen der besonderen Art

Aber auch andere Wirtschaftszweige sind auf das Wirtschaftspotenzial des Vierbeiners aufmerksam geworden. So gibt es heute auch schon den Sarg für den Hund, Massagebehandlungen und Pensionen, wo sich der Familienhund von dem ganzen Stress erholen kann. Die Universität Göttingen fand heraus, dass ein durchschnittliches Hundeleben seinen Besitzern ca. 12.000 bis 20.000 Euro kostet. Die Kosten fallen für das Futter, das Spielzeug, das Hundezubehör, Versicherungsbeiträge, die Hundeschule, Medikamente, den Tierarzt- und den Friseurbesuch an. Und genau diese Menge an Geld erschafft den Wirtschaftsfaktor Hundeliebe und sichert viele Arbeitsplätze in der ganzen Industrie rund ums Haustier. Krisensicher und umsatzstark ist das Geschäft mit der Tierliebe, denn vor allem gehobene Einkommensschichten sind bei Hundehaltern vorzufinden. Für diese Zielgruppe sind das Hundezubehör, Designerkleidung und die Wellnessanwendungen ein Zeichen von Luxus und Wohlstand.

Wenn Bedürfnisse Angebote schaffen

Umfragen haben ergeben, dass 15 Prozent der Deutschen ihr Haustier im eigenen Bett schlafen lassen, 14 Prozent würden ihrem Hund, neben dem klassischen Hundezubehör, auch bei Bedarf eine Zahnspange kaufen und ganze 22 Prozent wollen ihr Tier vom Bestatter beerdigen lassen. Basierend auf diesen und weiteren Studien, Forschungsergebnissen und Umfragen ist es nicht verwunderlich, dass die Industrie vom Hundezubehör, über Feinkostfutter bis hin zur Tierbeerdigung ein enormes Potenzial sieht. Längst ist der häusliche Vierbeiner zum Wirtschaftsfaktor geworden, die Tierliebe ein Riesengeschäft. Denn wo ein Bedürfnis besteht, wächst auch ein kommerzielles Angebot. Im zusätzlichen Videobeitrag berichtet der MDR über das Milliardengeschäft mit Bello und Co.

Markttrends Hundehalsband, Feinkost und Bestattung

Das Hundezubehör, speziell das Hundehalsband ist das klassische Symbol für Zugehörigkeit, ähnlich den Eheringen bei Menschen. Dies hat auch die Wirtschaft erkannt und bietet so die unterschiedlichsten Varianten und Kreationen für Hundehalsbänder und Hundezubehör an. Gerade das Hundehalsband ist ein funktionaler Schmuck, für den man beliebig viel Geld ausgeben kann. Auf der weltgrößten Messe für Heimtierprodukte in Florida werden durchschnittlich über 3.000 Produktneuheiten für Hundezubehör vorgestellt. Der Markt rund um Hundezubehör und Co. boomt. Die Ausgaben für Hundezubehör für das geliebte Haustier sind nicht begrenzt. Für Hundehandtaschen bezahlt ein Kunde beispielsweise im Schnitt 50-60 Euro.

Durchschnittlich werden im Monat 45 Euro fürs Tier ausgegeben, wovon 40 Euro für Futter berechnet werden. Hier zeigt sich, was für einen enormen Wirtschaftsfaktor das Hundefutter darstellt. Denn immer mehr Hundehalter machen sich Gedanken darüber, was ihr Tier isst. Das Angebot wird somit immer spezieller. Egal ob der Halter nach Futter für die sensible Verdauung, den älteren Hund oder den sportlichen Typ Hund sucht, die Industrie ist vorbereitet. Für das Futter ihres Vierbeiners geben die Deutschen gut und gerne mehr Geld aus als für Babynahrung. Der Schweizer Konzern Nestlé, der neben Nahrungsmitteln für den Menschen auch Hundefuttermarken wie Beneful, Pro Plan, Bonzo vertreibt, bestätigt, dass das Unternehmen mit Tierspeisen profitablere Erträge erzielt werden, als für Süßigkeiten oder Tütensuppen. Aus Sicht von Nestlé lässt sich nirgendwo sonst mit Hundenahrung so viel Geld verdienen wie hier.

In den vergangenen Jahren ist das Interesse der Hundebesitzer an einer guten und vor allem professionellen Erziehung des Hundes besonders gestiegen. Egal ob Hundeschule oder persönlicher Coach, die Nachfrage steigt. Immer mehr Dienstleister entdecken dieses Feld, egal ob Hundetrainer, Hotelbetreiber, Ernährungsberater und sogar Architekten. Halter zahlen für die Hundeschule durchschnittlich zwischen 150 bis 450 Euro. Allein hiermit wird jährlich ein Gesamtumsatz von 34,5 bis 38 Millionen Euro erwirtschaftet.

Auch das Thema der medizinischen Versorgung wurde zu einem großen Bestandteil des Wirtschaftsfaktor Tierliebe. Hundehalter legen größeren Wert auf die Gesundheit ihrer Tiere. Experten erwarten daher in den kommenden Jahren einen Anstieg der Haus- und Nutztierarzneien sowie Nahrungsergänzungsmitteln auch für den Hund. Die hier erbrachten Einnahmen bekannter Pharmaunternehmen sind fast doppelt so hoch wie die Einnahmen, die mit Krebsmedikamenten für Menschen erzielt werden. Sollte jedoch trotz aller Liebe, Pflege und feinster Kost, das Tier das Ende seiner Tage erreicht haben, so haben sich auch hier Anbieter gefunden, die diesen Weg begleiten. Das Tierbestattungsgeschäft boomt.Jährlich sterben etwa 1,4 Millionen Katzen und Hunde. Vorbei die Zeiten als die Haustiere nach Ihrem Ableben noch im heimischen Garten in einem selbst dekorierten Schuhkarton vergraben wurden. Der moderne Hund erfährt eine Bestattung wie ein Mensch. Etwa jedes zehnte verstorbene Haustier wird beerdigt oder kremiert. Auch hier besteht die Wahl zwischen der Erdbestattung und der Feuerbestattung, aber auch ausgefallene Bestattungen, in Form von Weltraumbestattung oder einer Diamantbestattung, werden durchgeführt. Den Kosten sind, wie auch bei den anderen Posten wie Hundezubehör und Feinkostfutter, nach oben keine Grenzen gesetzt. Für eine Kremierung werden je nach Größe des Tieres zwischen 150 und 300 Euro und für eine Erdbestattung zwischen 200 und 500 Euro fällig. In Deutschland haben sich bereits mehr als hundert Tierbestattungsunternehmen, rund 120 Tierfriedhöfe und sechs Tierkrematorien etabliert. Die Zahl der von einem Tierbestatter durchgeführten Bestattungen ist stark ansteigend.

Das teure Hundezubehör als Dankeschön

Etwa jeder fünfte Hund gilt heutzutage als prestigeorientiert und vermenschlicht. Doch woher kommt dieses Verlangen? Für viele Menschen ist der Hund oder die Katze eine wichtige Bezugsperson und ersetzt bisweilen fehlende menschliche Beziehungen. Bei vielen ist das Tier ein Kindersatz, weshalb sie sich immer mehr dafür interessieren, dass es ihrem Hund an Nichts fehlt. Das Robert-Koch-Institut fand zudem heraus, dass die Haustierhaltung sich positiv auf das Wohlbefinden der Halter auswirkt:

  • Stressabbau
  • Vermehrte soziale Kontakte
  • Höhere Lebenszufriedenheit
  • Senken des Depressionsrisikos
  • Gesteigerte körperliche Aktivität
  • Das Gefühl des Gebrauchtwerdens

Auch bei Kindern fördern Haustiere positive Eigenschaften wie: Teamfähigkeit, Kommunikation, Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein. Vor allem Hunde werden als volles Familienmitglied gesehen. Hundehalter fühlen sich zu ihrem Tier emotional tief verbunden und investieren Aufmerksamkeit, Zeit und somit gerne auch sehr viel Geld in diese Beziehung. Schließlich empfinden Sie durch ihren Vierbeiner viele positive Effekte. Bereits jetzt schenken acht von zehn Hundehaltern ihrem Liebling ein neues Hundezubehör, Spielzeug oder eine Wellnessbehandlung zum Geburtstag. Jedoch sehen Ökonomen der Industrie in den Festen Weihnachten und Ostern noch weiters hundeökonomisches Potenzial, da dieser Markt noch weitgehend unerschlossen ist. Dies ist eine gute Ausgangssituation für das weitere Wachstum des Geschäfts mit der Hundeliebe. Dass selbst Krisen dem robusten Markt für Heimtierbedarf nichts anhaben können, können Sie hier weiterlesen.

 

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